Coinbase-CEO: Totalverluste für Börsenkunden nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich


Das Thema möglicher Verluste bei Investitionen in digitale Währungen ist wohl eines der zentralen, wenn es um die verschiedenen Positionen von Befürwortern und Gegnern des Kryptomarktes geht. Im Zusammenhang mit ihrem aktuellen Bericht für das erste Quartal des Jahres 2022 nimmt sich auch die erfolgreiche US-Börse Coinbase nicht nur ihrer eigenen Geschäftszahlen an. Zugleich verweist der Konzern in seiner Publikation auf die drohenden Ausfallrisiken bei Spekulationen auf dem Wachstumsmarkt. In etlichen Medien konzentriert sich die Berichterstattung vor allem auf die möglichen Gefahren von Krypto-Investments. Dass Börsenchef Brian Armstrong genau genommen aber auch zu einem nicht unwesentlichen Teil eine Entwarnung bezüglich der Risiken ausspricht, wird mancherorts weitgehend verschwiegen.

 

Erstes Quartal 2022 für US-Börse Coinbase kein Anlass zur Freude

Es ist keine Frage, dass Anleger auf dem noch recht jungen Markt für den Handel mit digitalen Währungen wie Bitcoin oder Litecoin immer eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen müssen. Schließlich sind viele Digitalwährungen im Vergleich zu Aktien oder Anleihen deutlich volatiler. Sie sind also anfällig für akute Schwankungen. Der Krieg in der Ukraine hat seit März allerdings gezeigt, dass auch viele Bereiche des Aktienmarktes in Krisenzeiten deutlich stärker zu spürbaren negativen Ausbrüchen neigen, als es mancher Anleger erwartet haben dürfte. Bezüglich der Kryptobörse Coinbase sorgten die Zahlen für das erste Quartal 2022 bei manchen Nutzer – vor allem aber bei Aktionären, des seit dem Frühjahr 2021 an der Technologie-Börse Nasdaq notierten Konzerns. Der Börsenstart gelang dem Unternehmen mit einem sprichwörtlichen Paukenschlag und verhalf der Kryptobörse zu einem rasanten Anstieg des Firmenwertes.

 

Rückläufige Zahl aktiver Nutzer und sinkender Umsatz

Zeitweise stieg auch der Börsenumsatz im besagten auf rund 1,8 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: 2020 lag der Börsenumsatz nur bei knapp über einem Zehntel dieses Ergebnisses. Die Quartalszahlen für die Zeit von Anfang Januar bis Ende März 2022 hingegen fielen aus der Sicht der Aktionäre und des Unternehmens selbst weitaus schlechter aus. Unter anderem musste der Anbieter ein Minus von 19 Prozent der monatlichen Nutzerzahl vermelden. Der Umsatz im ersten Quartal brach auf 1,17 Milliarden US-Dollar (zuvor: rund 1,8 Mrd. USD) ein. Parallel dazu wird das Unternehmen durch eine deutliche Korrektur des Aktienkurses belastet. Was bei vielen Nutzern der Kryptoplattform dieser Tage aber in besonderer Weise die Alarmglocken schellen ließ, war ein Statement von Brian Armstrong, seines Zeichens Mitgründer und Geschäftsführer im Hause Coinbase.

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Armstrong rechnet mit deutlichem Anstieg der Kryptoanleger bis 2030

Während der viel beachteten Global Conference 2022 des renommierten Milken Institute äußerte sich Armstrong zunächst einmal positiv, als er um eine Einschätzung der Krypto-Marktentwicklung gebeten wurde. Der Branchenkenner und -vordenker rechnet mit einem Anstieg der Zahl derer, der bis Ende der 20er Jahre digitale Währungen genutzt oder wenigstens selbst getestet haben, um das Fünffache – also von derzeit etwa 200 Millionen Nutzern weltweit auf dann eine Milliarde bis zum Jahr 2030. So weit, so gut. Armstrong untermauerte seine Prognose unter anderem mit dem Argument, dass es immer neue Anwendungsmöglichkeiten („Use Cases“) für Kryptowährungen gibt und weiterhin in noch größerer Auswahl geben wird. Auch die positiven Entwicklungen mit Blick auf staatliche Regulierungen bewertet der Coinbase-Chef positiv und als möglichen Motor für die Branche insgesamt.

Das Kryptoversum, so Armstrong, wird in Zukunft einen immer größeren Beitrag für die Gesamtwirtschaft leisten. Mit diesen Erwartungen ist der Börsenchef übrigens in guter Gesellschaft. Selbst verschiedene Großbanken gehen von ähnlichen Entwicklungen aus.

 

Fehlender Rechtsrahmen größtes Risiko für Kunden von Kryptobörsen

Auf der anderen Seite – und dieses Thema wird in sozialen Medien von vielen Nutzern durchaus engagiert diskutiert – verweist der Börsenchef auf potenzielle Risiko für Kryptoanleger. Dabei thematisiert Armstrong genau genommen nur ein grundlegendes Problem der Kryptowelt – am Beispiel des eigenen Unternehmens. So könnten Kunden der Börse durch eine Firmenpleite zum jetzigen Zeitpunkt ein verwaltetes Vermögen von insgesamt rund 256 Milliarden US-Dollar verlieren. Die Summe setzt sich hierbei sowohl aus Vermögen in Krypto- als auch Fiatwährungen zusammen, die der Bericht für das erste Jahresquartal als Börsenvermögen anführt. Verschiedene Quellen zitieren Armstrong und warnen vor einem möglichen Totalverlust der Einlagen auf Konten bei der Börse. Und in der Tat hat der CEO dies durchaus so formuliert. Dabei gehe es darum, dass Plattformnutzer in die Rolle „allgemeiner, ungesicherter Gläubiger“ geraten könnten. Durch eine Insolvenz gäbe es schlimmstenfalls keinen Eigentumsanspruch für Börsenkunden.

Ihre Einlagen wären dann Teil des spezifischen Unternehmens-Eigentums. Auszahlungen von durch das Unternehmen kontrollierten Wallets und verwahrten Einlagen wären dann nicht möglich. Wie immer ziehen solche theoretischen innerhalb der Community weite Kreise.

 

US-Regulierungsbehörde zumindest indirekt in der Kritik

Ins Hintertreffen gerät indes, dass Armstrong das tatsächliche Risiko gleichzeitig als gering bewertet. Vor allem sei die Gefahr einer Coinbase-Pleite selbst vor dem Hintergrund sinkender Umsätze seit Jahresbeginn „unwahrscheinlich“. Eine Insolvenzgefahr bestehe nicht. Vielmehr geht es dem Coinbase-CEO darum, die Zusammenhänge in Verbindung mit neuen Regularien der United States Securities and Exchange Commission (SEC), also der zuständigen US-Börsenaufsicht darzulegen. Was für den Fall der Pleite einer Kryptobörse bisher fehle, sei ein rechtlicher Präzedenzfall, der eine Orientierung für den Ernstfall bieten könnte. So könnte ein Gericht angesichts der derzeitigen Rechtslage entscheiden, dass Vermögen der Kunden von Kryptobörsen als Börsenvermögen einzustufen sind. Armstrong geht es also nicht darum, auf allgemeine Verlustrisiken hinzuweisen.

Stattdessen hebt der Kryptoexperte die noch immer deutliche Unterscheidung bei der juristischen Behandlung von Kryptobörsen auf der einen und traditionellen Finanzunternehmen hervor. Bei letzteren greift in den meisten Ländern weltweit ein staatliches System zur Einlagensicherung. Einen solchen Schutzschirm gibt es im Kryptosektor bis auf wenige Ausnahmen bisher explizit nicht. In genau diesem Kontext sind die Aussagen Armstrongs zu sehen – nicht aber als Warnung vor tatsächlichen Ausfallrisiken für Nutzer der Börse.

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