Rückschlag für Twitter – Elon Musk setzt Vorhaben für Übernahme vorerst aus


Mancher Aktionär wird im Zusammenhang mit den neuesten Entwicklungen rund um die Übernahme des Social-Media-Dienstes Twitter durch Elon Musk vermutlich das Datum Freitag, den 13. im Blick haben. Doch mit dem Tag haben Musks aktuellste Aussagen freilich wenig zu tun. Der Tesla-Chef wollte und will sich die Übernahme der Plattform 44 Milliarden US-Dollar kosten lassen und im Anschluss an den Kauf einen schnellen Abschied des Unternehmens vom Börsenparkett in die Wege leiten. Nun aber gerät das Vorhaben, dem der Verwaltungsrat im Hause Twitter mittlerweile zugestimmt hatte. Der Milliardär selbst teilte mit, dass er sein Angebot fürs Erste aussetzen werde. Der Grund: Musk verlangt vom Konzern uneingeschränkte Einblicke in Informationen zu vermeintlichen Spamkonten.

Bisher hat Twitter zwar Aussagen zu diesem Thema getroffen, dem Käufer in spe scheinbar aber nicht den gewünschten eigenen Zugriff gewährt. Die Meldungen sorgten an der Börse für einigen Wirbel und schickten den Kurs der Twitter Aktie auf Talfahrt.

 

Twitter Aktie verzeichnet hohen Verlust vor Handelsstart

Vorbörslich büßte die Aktie beinahe 25 Prozent ihres Schlusskurses vom Vortag ein. Lag der Kurs zuvor bei knapp über 45 US-Dollar, fand sich der Preis vor dem Handelsstart infolge der Mitteilung Musks bei nur noch rund 34,50 USD ein. Zum Vergleich: Den Aktionären hatte der Tesla- und SpaceX-Chef kürzlich ein Übernahmeangebot in Höhe von 54,20 USD pro Anteilsschein in Aussicht gestellt. Die aktuelle Entwicklung des Aktienkurses lässt sich ohne Frage als Signal deuten, dass viele Anleger zunehmend Zweifel am Zustandekommen des Kaufs hegen. Dass Musk – zumindest vorerst – Abstand von seiner geplanten Übernahme nimmt, erklärt der Milliardär mit fehlender Transparenz aufseiten des Konzerns. So hatte Musk auf einem Zugang zu Daten bestanden, die ihm Rückschlüsse auf Spamkonten auf dem Portal gewähren sollen.

 

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Streitpunkt Spamaccounts: Musk besteht auf detailliertem Datenzugriff

Twitter hatte mitgeteilt, dass nicht einmal fünf Prozent aller Accounts als Spam zu bewerten seien. Frei nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ will sich der Großinvestor Musk aber nicht auf derlei, für ihn derzeit nicht überprüfbare Details verlassen. Bevor er das Vorhaben abschließend in die Wege leiten will, möchte Musk zunächst auf ausführliche Berechnungen warten. Diese sollen zeigen, wie viele Nutzerkonten „echten Usern“ gehören und wie hoch der Anteil von Spam-Accounts tatsächlich ausfällt. Also solcher Konten, über die Spam- oder auch Werbe-Nachrichten verbreitet werden. Die Ironie der Entwicklung ist einmal mehr, dass Musk seine Entscheidung natürlich über die Plattform selbst publik machte. Die reine Schätzung der Twitter-Verantwortlichen vom Beginn der aktuellen Woche reiche ihm für eine objektive Bewertung nicht.

 

Aktionäre müssen dem Übernahmeangebot noch zustimmen

Aus gutem Grund. Musk ließ keinen Zweifel daran, dass er Nutzer solcher Accounts (und natürlich die betreffenden Konten als solche) zukünftig von der Plattform ausschließen wird. Ursprünglich hatte der gleichermaßen umtriebige wie umstrittene Twitter-Fan nach der Übereinkunft mit dem Verwaltungsrat den Abschluss des Deals zum Ende des laufenden Jahres zum Ziel erklärt. Viele Anleger, die auf die Schlagzeile mit einem „Angstverkauf“ reagiert haben, dürften einen wichtigen Aspekt außer Acht gelassen haben. So wichtig die Zustimmung der Mitglieder des Verwaltungsrates war: Das endgültige Okay für den Kauf hängt davon ab, dass sich eine ausreichend große Gruppe von Aktionären des Unternehmens ihrerseits auf das Angebot einlassen. Bisher verfügt Elon Musk durch wiederholte Aufstockungen seines Twitter-Portfolios lediglich über etwa neun Prozent aller Anteilsscheine.

 

Musk droht Vertragsstrafe in Höhe von einer Milliarde Dollar

Unklar ist nun nicht nur, ob und wann die Vorbereitung des Kaufs fortgesetzt werden soll. Nicht bekannt ist ebenfalls, ob Musk möglicherweise eine Konventionalstrafe zahlen muss, weil er den Vorgang einstweilen auf Eis gelegt hat. Der Vertrag sieht eine solche Strafe durchaus vor – und zwar in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, sollte eine der beiden Parteien die Übernahme einseitig beenden. Beobachter gehen jedoch nicht von einer Strafzahlung im Falle berechtigter Bedenken aus. Ganz zu schweigen, dass der Multimilliardär den Verlust einer solchen Summe beim Ausstieg aus dem Vertrag problemlos verschmerzen könnte. Für denkbar halten Experten zudem, dass es sich bei der Ankündigung sogar um eine gezielte Taktik Musks handeln könnte. Das Ziel könnte sein, Twitters fehlende Offenheit bezüglich gefälschter Konten zu nutzen, um den vereinbarten Preis zu drücken.

Die vertraglichen Vereinbarungen wiederum sehen keine Buchprüfung im eigentlichen Sinne vor. Es passt aber zum öffentlichen Bild des Tesla-Gründers, dass er eine ganz eigene Vorstellung von der Verbindlichkeit eines Vertrags hat, die sich nicht unbedingt an Vertragsdetails orientieren. Rein wirtschaftlich kann sich Musk eine solche Extravaganz ohne Weiteres erlauben.

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