Ifo-Geschäftsklimaindex bricht historisch stark ein


Abgesehen von steigenden Preisen, mit denen Verbraucher zunehmend beim Einkauf im Supermarkt konfrontiert, hat der Krieg in der Ukraine natürlich auch und gerade in der Wirtschaft weitreichende Auswirkungen. Und nicht nur Firmen, die Beziehungen zu russischen Firmen unterhalten oder Waren und Dienstleistungen in die Region exportieren, bekommen den Druck dieser Tage zu spüren. Infolgedessen waren Analysten von einer Eintrübung der Stimmung in der Wirtschaft ausgegangen. Doch nicht jede Prognose hatte eine so deutliche Verschlechterung erwartet, wie sie nun der Ifo-Geschäftsklimaindex des renommierten Münchener ifo-Institut abbildet.

Deutsche Firmen in Sorge – Börsenreaktion fällt gelassen aus

Das Ifo-Geschäftsklima gilt Experten hierzulande als wichtigster Indikator zur erwarteten Konjunkturentwicklung. Monat für Monat werden gut 9.000 Manager deutscher Unternehmen nach ihrer Einschätzung zur Wirtschaftsstimmung befragt. Die neue Publikation sorgte nicht zuletzt an der Börse im Vorfeld für eine gewisse Anspannung, ist der Indikator doch erfahrungsgemäß eine Art Frühwarnsystem, das in der Vergangenheit treffsichere Vorhersagen zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland wiedergab. Die „große Panik“ auf dem Börsenparkett blieb zwar aus. So konnten die Sorgen hinsichtlich der heimischen Konjunktur nicht verhindern, dass der Deutsche Aktienindex zum Ende der aktuellen Handelswoche (25.03.2022) immerhin ein leichtes Plus vorweisen konnte. An der Deutlichkeit des Einbruchs beim Ifo-Geschäftsklimas ändert diese eher verhaltene börsliche Reaktion aber wenig.

Lieferprobleme, hohe Energiekosten und andere Faktoren drücken die Stimmung

Noch im Februar lag der Index des Instituts bei 98,5 Punkten. Die Auswertung von Expertenanalysen hatte im Durchschnitt einen möglichen Rückgang auf 94,2 Punkte für den Monat März in Aussicht gestellt. Tatsächlich steht es um die Stimmung der deutschen Wirtschaft aktuell wesentlich schlechter. Um 7,7 Punkte fiel das Konjunkturbarometer im Monat März auf 90,8 Punkte. So stark wie der Krieg in der Ukraine wirkten sich nicht einmal die akuten Phasen der Corona-Pandemie aus. Einige Beobachter deuten diese Entwicklung als Hinweis auf eine drohende Rezession. Probleme innerhalb der Lieferketten und hohe Energiepreise belasten die Wirtschaft in erheblichem Maße. Dass die ökonomischen Spuren der Pandemie längst nicht überstanden sind, verschärft die Lage zusätzlich. Insbesondere ein drohender Boykott der Öllieferungen aus Russland beschäftigt viele Firmen im Land.

Schließlich würde ein Embargo bei gleichbleibend hoher Nachfrage für eine Unterversorgung auf dem Weltmarkt sorgen. Eine weitere Angst vieler Unternehmen: Sollte sich Europa geschlossen für einen Öl-Boykott entscheiden, könnte Russland seinerseits umgehend auch die Versorgung mit Gas einstellen.

Optimismus vom Jahresbeginn wurde jäh ausgebremst

Analysten weisen nach der Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex in besonderer Weise auf das „beispiellose Tempo“ hin, mit dem sich die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland verschlechtert haben. Einen derart starken Rückgang hatte es seit Beginn der Aufzeichnungen des Instituts noch nie gegeben. Branchen wie das Verarbeitende Gewerbe oder der Handel traf es besonders hart. Jörg Zeuner, seines Zeichens Chefvolkswirt im Hause Union Investment, verweist in einer ersten Stellungnahme auf die neuesten Ifo-Daten darauf, wie rasch sich die Lage binnen weniger Wochen ändern könne. Noch in den ersten beiden Monaten 2022 herrschte Zuversicht vor. Durch Russlands Militärschlag hielt jetzt Pessimismus Einzug. Und es könnte nicht der letzte negative Ausschlag des Barometers gewesen sein, sollten weitere Sanktionen kommen. Nichts weniger als ein historischer „radikaler Umbau der Wirtschaftsstrukturen“ könnte der Wirtschaft in Europa bevorstehen, wie DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater als Reaktion auf die Ifo-Meldung zu bedenken gibt.

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Institut hatte zuvor bereits die BIP-Prognose deutlich gesenkt

Die Unsicherheit auf Unternehmensseite ist groß. Ifo-Präsident Clemens Fuest bringt es auf den Punkt. Deutschlands Wirtschaft erwarte „harte Zeiten“, weshalb der Ifo-Geschäftsklimaindex seine vorherige Erholungsphase zumindest einstweilen hinter sich lässt. Mit Blick auf die kommenden sechs Monate beurteilen die Führungskräfte die geschäftliche Lage merklich schlechter als vor Kriegsbeginn. Die Hoffnung auf ein Ende der pandemischen Krise rückt angesichts der dramatischen Entwicklung in der Ukraine somit ganz weit in den Hintergrund. Prognosen wie jene aus dem Februar, die lediglich eine kurze Verschiebung der Erholung um maximal zwei Monate vorhersagten, dürfte dieser Tage wohl kein Analyst mehr formulieren. Und nicht nur der Ifo-Geschäftsklimaindex spiegelt die Krise wider. Die Analysten des ifo-Instituts hatten erst vor der neuen Publikation ihre Erwartung zum deutschen Bruttoinlandsprodukts von vormals 3,7 auf nun 2,2 bis 3,3 Prozent korrigiert.

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